Falschberatung durch Dresdner Bank und Prospektfehler

17. Juni 2014 – Rund 59 Mio. € Eigenkapital haben Commerzbank-Kunden im Jahr 2008 in den CFB Fonds 166 Twins 1 investiert. Sie beteiligten sich damit an der MS „Nedlloyd Adriana“ und der MS „Nedlloyd Valentina“, zwei 2.556 TEU Vollcontainerschiffen der Sub-Panamax-Klasse. Die im Jahr 2002 bestellten und um den Jahreswechsel 2003/2004 ausgelieferten Schiffe gehörten zuvor dem CFB-Fonds 146, der die Schiffe für jeweils rund 27,5 Mio. USD erworben hatte. An den CFB Fonds 166 wurden die zwischenzeitlich rund vier Jahre alten Schiffe, wie dem Fondsprospekt zu entnehmen ist, für 41,75 Mio. USD verkauft.

Ein Gewinn von 162,5% für den veräußernden Fonds, der nur dadurch möglich wurde, dass die Schiffspreise sich 2007 in einer Hochphase befanden. Für den verkaufenden Fonds und seine Anleger ein Bombengeschäft. Auch die Commerzbank-Tochter CFB profitierte davon in Form von satten Vergütungen für die Neuauflage des Fonds. Ebenso die Commerzbank, die für den Vertrieb des Fonds hohe Provisionen eingenommen hat.

Überteuert eingekaufte Schiffe

Der Prospekt des CFB-Fonds 146 warb die Anleger mit den „historisch niedrigen Niveau der Einstandspreise für Containerschiffsneubauten“. Davon, das sich die Schiffspreise im Jahr 2007, als der CFB Fonds 166 Twins 1 sie erwarb, in einer Phase historisch hoher Preise befand, ist im Prospekt nicht die Rede. Vielmehr wird ein Wertgutachten zitiert, in dem der Kaufpreis der Schiffe als „marktgerecht bis günstig“ bezeichnet wurde.

Was den Anlegern verschwiegen wurde: Der Kaufpreis für Schiffe orientiert sich im Wesentlichen an den zum Kaufzeitpunkt erzielbaren Charterraten. In den Jahren 2003 – 2008 war ein weit überdurchschnittlicher, völlig außergewöhnlicher Anstieg der Charterraten und damit auch der Schiffspreise zu verzeichnen. Daher trifft die Aussage aus dem Wertgutachten, bezogen auf den Kaufzeitpunkt, zu. Da dieser aber einen langfristig investierenden Anleger überhaupt nicht interessiert, ist diese Information eher zur Irreführung von Anlegern, denen der Marktzusammenhang nicht bekannt ist, geeignet.

Die Charterraten sind im Herbst 2008 nicht zuletzt infolge des sich aufgrund der zahlreichen Bestellungen neuer Containerschiffe bereits lange vorher abzeichnenden drastischen Überangebots an Transportkapazitäten stark und nachhaltig eingebrochen. Diese Entwicklung war sowohl in der Fachpresse, als auch in der Wirtschaftspresse bereits seit Ende 2005 vorhergesagt worden. Hierauf wurden die Anleger vor der Zeichnung nicht hingewiesen. Die Pleite der Lehman-Bank und der daraus resultierende Schock für die Weltwirtschaft war lediglich ein zusätzlicher, verstärkender Faktor.

Heute befinden sich die Charterraten auf einem im Vergleich zu den Boom-Jahren 2003 – 2008 vergleichsweise niedrigen Niveau. Daher sind die Chartereinahmen nach dem Auslaufen der Festcharter auch deutlich niedriger.

Der Kauf der Schiffe und die Beteiligung am CFB-Fonds 166 stellt faktisch eine Spekulation auf nachhaltig hohe Chartereinnahmen dar, da die Schiffe zu historisch hohen Preisen gekauft wurden.

  • Bleiben die Charterraten hoch und die Einnahmen langfristig stabil, können die – infolge der hohen Kreditaufnahme – hohen Kosten für Zins und Tilgung bedient werden.
  • Bleiben die Schiffspreise hoch, kommt es zu keiner Verletzung von Wertsicherungsklauseln aus den Schiffshypothekendarlehensverträgen und infolgedessen nicht zu Risiken für den Bestand der Schiffsgesellschaften.
  • Sinken hingegen die Charterraten, was bereits seit Herbst 2005 für die Zeit ab 2008 vorhergesagt wurde, droht die Zahlungsunfähigkeit der Schiffe und eine Verletzung der Wertsicherungsklauseln und damit quasi zwangsläufig der Verlust des Anlegerkapitals.

Wurden Anleger getäuscht?

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Anleger des CFB-Fonds 166, die langfristig investieren wollten, über die im langfristigen Vergleich weit überdurchschnittlichen Schiffskaufpreise getäuscht wurden. Wesentliche Marktinformationen wurden ihnen vorenthalten. Nicht nur, dass ihnen die prognostizierte rückläufige Entwicklung von Charterraten und Schiffskaufpreisen nicht mitgeteilt wurde, auch Informationen über die historische Entwicklung der Schiffskaufpreise, denen der – im langfristigen Vergleich – hohe Kaufpreis zu entnehmen gewesen wäre, finden sich im Prospekt nicht.

Schadenersatzansprüche gegen die Commerzbank AG

Anlegern des CFB Fonds 166 Twins 1 stehen aus diesen und anderen Gründen nach unserer Auffassung Schadenersatzansprüche zu. Mehr Informationen erhalten Sie auf unserer Homepage auf der CFB Fonds 166 Seite.

Nittel | Rechtsanwalt | Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Ihr Ansprechpartner
Mathias Nittel, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

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